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Ornithologen Gruppe Pfäffikersee


Ornithologischer Beobachtungskalender vom Pfäffikersee
Sommer 2011

(1.April bis 30. September 2011)

Liebe Freunde des Pfäffikersee-Schutzgebietes

Das Brutgeschehen im Frühjahr/Sommer 2011 weist viele Höhepunkte auf:

Die Neuen:
Erstmals seit vielen Jahren brütete wieder einmal ein Schwarzkehlchen-Paar im Riet. Dies ausgerechnet in einem Abschnitt, wo Erdbeerpflücker für viel Betrieb sorgten.
Nebst der Waldohreule brütete erstmals auch der Waldkauz an der Ostseite des Sees. Schon in früheren Jahren wurden dort ausserhalb der Brutzeit Käuze beobachtet.

Die Rückkehrer:
Wir freuen uns sehr, dass Zwergtaucher, Zwergdommel, Drosselrohrsänger und Wasseramsel wieder als Brutvögel zurückgekehrt sind. Diese traditionellen Arten hatten wir letztes Jahr sehr vermisst.

Die Aussergewöhnlichen:
Es war ein Wachteljahr, wie wir es uns schöner nicht vorstellen konnten. Ab 18. Mai hörten wir deren Schläge Tag für Tag, insgesamt 40-mal.

Die übrigen Erfolgreichen:
Das schöne Wetter während der ganzen Brutzeit führte zu erfolgreichen Bruten
bei Möwen und Flussseeschwalben. Insgesamt wurden über 60 Junge flügge. Auch Fitis und Rohrammer konnten ihre Bestände gut halten.

Es gab aber auch Rückschläge:
Trotz grossen Bemühungen sind die Kiebitze nicht als Brutvögel ins Schutzgebiet zurückgekehrt. Sie bevorzugen offenbar tiefere Lagen. Wir müssen unsere Anstrengungen für eine Wiederansiedlung als gescheitert betrachten und bezüglich Artenförderung andere Prioritäten setzen.
Unerklärlich blieb für uns der vollständige Ausfall des Bruterfolges bei den Haubentauchern. Warum verlassen diese Taucher nach kurzer Zeit ihre Nester und fischen gemeinsam auf dem See? Schon in früheren Jahren haben wir diese Tendenz beobachtet, doch waren darnach jeweils Spätbruten äusserst erfolgreich.

Insgesamt dürfen wir aber mit der Brutsaison 2011 sehr zufrieden sein und uns über die 6 Rote-Liste-Arten, die in unserem Schutzgebiet brüten, sehr freuen.

Walter Hunkeler, Wetzikon

14. November 2011


Im Frühjahr/Sommer 2011 wurde wiederum eine umfassende Bestandesaufnahme der brütenden Indikatorarten durchgeführt. Nachstehend berichte ich über unsere Beobachtungen und Erfahrungen in der abgeschlossenen Brutperiode.

Artenstatistik
Der vorliegende Bericht stützt sich auf 938 Meldungen. Im Sommerhalbjahr 2011 wurden beobachtet:
102 verschiedene Vogelarten, davon
-  21 Indikatorarten als Brutvögel
-  20 Indikatorarten als Durchzügler und Nahrungsgäste

Zum Brutgeschehen im Sommer 2011

Regelmässige Brutvögel:


Taucher

Erfreulicherweise ist der Zwergtaucher als Brutvogel an den See zurückgekehrt. In der Herdplattenbucht brütete ein Paar.
Bei den Haubentauchern war eine übliche Zahl von 33 Brutpaaren am See anwesend. Sie bezogen ihre Brutplätze, die sie aber später wieder verliessen. Wir konnten Gruppen von bis zu 80 Tauchern feststellen, die im Juni gemeinsam fischten. Als Ergebnis dieses eigenartigen Verhaltens ergab sich die Beobachtung eines einzigen Jung-Tauchers.

Reiher
Auch die Zwergdommel hat im Berichtsjahr wieder mit einem Paar gebrütet. Das Nest befand sich im Talhof. Fliegende Altvögel konnten vor allem in der Herdplattenbucht beobachtet werden. Ein einzelner Jungvogel konnte ebenfalls in diesem Seeabschnitt gesichtet werden.

Störche
Die Wetziker-Störche haben auf dem alten Fabrikkamin am Schönauweiher ein weiteres Mal gebrütet. Einer der beiden Jungvögel wurde schon bald aus dem Nest gestossen. Der zweite überlebte dank guten Witterungsverhältnissen und ist am 9. Juni durch Max Zumbühl mit dem Ring SE 970 beringt worden.

Enten und Schwäne
Anfang Mai konnten grosse Stockenten-Familien mit bis zu 10 Jungen am Nordufer und im Aabach beobachtet werden.
Auch dieses Jahr waren von April bis Juni viele Reiherenten-Paare festzustellen. Leider sind nirgends Junge aufgetaucht.
Für die Höckerschwäne war 2011 ein produktives Jahr. Das Brutpaar in der Herdplattenbucht führte anfänglich 9 Junge, die sich dann später auf 6 reduzierten. Das Paar im Schönauweiher zog 6 Junge auf.

Greifvögel
Der Schwarzmilan wählte dieses Jahr einen Baum auf der Ostseite des Sees als Brutplatz. Weitere Vögel, die am Rande des Schutzgebietes brüteten, nutzten das Pfäffikersee-Gebiet zur Nahrungssuche.
Rotmilane waren regelmässige Nahrungsgäste. Ihre Brutplätze lagen aber westlich und östlich des Sees, ausserhalb des Schutzgebietes.
Wie jedes Jahr war das Robenhauserriet wieder ein beliebtes Jagdgebiet für Baumfalken. Während der ganzen Brutzeit konnten sie regelmässig beim Libellen-Fangen beobachtet werden. Wo der Brutplatz lag, konnten wir leider auch dieses Jahr nicht herausfinden.
Die Rietflächen im Süden des Sees wurden täglich von Turmfalken zur Nahrungssuche genutzt. Die Bruten finden alle in Brutkästen statt, die rund um den See angebracht sind.

Rallen
Wasserrallen können während den Kartierungen praktisch nie beobachtet werden, da sie während der Brut ganz heimlich leben und selten rufen. Wir konnten diesmal vier Standorte festlegen.
Bezüglich Beobachtung von erfolgreichen Bruten hatten wir dieses Jahr bei den Teichhühnern mehr Glück. Am Nordufer konnten wir bis zum Abschluss dieses Berichtes 3, am Südufer 2 Junge  feststellen. Es brüteten 4 Paare.

Regenpfeifer
Zwei kurze Kiebitz-Beobachtungen im April ist das Einzige, das wir vorweisen können. Diese Vogelart meidet unser Gebiet und sucht sich wahrscheinlich günstigere Brutplätze in tieferen Lagen aus. Die grossen Bemühungen zur Wiederansiedlung müssen als gescheitert betrachtet werden.

Möwen / Seeschwalben
Ideales Frühjahrswetter hat dazu geführt, dass alle drei Arten erfolgreich brüten konnten.
Es waren auch weniger Störungen am Brutplatz feststellen, als in früheren Jahren.
Ein Paar der Mittelmeermöwe brütete erneut erfolgreich auf einem Floss im Chliisee. Von den 3 geschlüpften Jungen, wurde eines flügge. Um Mitte Juli konnte der Jungvogel auf dem See beobachtet werden.
Von den beiden Brutflossen in der Herdplattenbucht wurde eines bis zum 5. Mai mit einem Netz abgedeckt, um den später eintreffenden Flussseeschwalben einen Vorteil zu verschaffen.
Auf dem frei zugänglichen Floss stellten wir in der zweiten April-Hälfe erste Balzflüge der Lachmöwen fest. Ende April wurden bereits die ersten Nester bebrütet. Mit ca. 22 Brutpaaren war das Floss durch die Lachmöwen voll besetzt und es ergab sich dieses Jahr keine Mischkolonie mit den Flussseeschwalben. Mitte Mai schlüpften die ersten Jungen. Insgesamt zählten wir ca. 30 Jungmöwen. Leider wurde dieses Floss mit der Zeit stark bewachsen, so dass der Überblick etwas verloren ging.
Nach dem Entfernen des Netzes auf dem zweiten Floss interessierten sich sofort auch die heimatlosen Lachmöwen für diesen Brutplatz. Es bildete sich eine Mischkolonie mit je 8 Paaren Lachmöwen und 8 Paaren Flussseeschwalben. Während der Brutzeit war die Stimmung zwischen den ungleich grossen Vögeln einigermassen friedlich. Dies änderte sich, als beide Arten ihre Jungen fütterten. Die Lachmöwen wurden teilweise recht aggressiv und griffen junge Flussseeschwalben an. Ein Jungvogel wurde mit Schnabelhieben arg malträtiert, ein anderer sogar vom Floss gestossen.
Bei den Lachmöwen wurden 19 Junge flügge, bei den Flussseeschwalben 13 Junge. Insgesamt also ein sehr erfreuliches Ergebnis.

Kuckuck
Vom Kuckuck waren im Berichtsjahr 2 Paare anwesend. Nebst den spezifischen Rufen konnten wir auch Balzverhalten von Paaren beobachten. Anfang Juli zeigt sich sogar ein Jungvogel am Kanal.

Eulen
Das Waldohreulen-Paar, dass wir schon im letzten Winter vom Seeweg her in einer Föhre beobachten konnten, zog im nahen Wäldchen vier Junge auf. Es wäre sogar denkbar, dass ein zweites Paar gebrütet hat oder dass eine Zweitbrut stattgefunden hat, denn Susi Huber hörte Ende Juli ein weiteres Mal bettelnde Junge.
Erfreulich, dass sich am Ostufer ein Waldkauz niedergelassen und im Gebiet Bruggwiesen mind. 2 Junge aufgezogen hat.

Eisvögel
Dieses Jahr sind Eisvögel Anfang Mai und Ende Juli im Gebiet aufgetaucht. Wir vermuten daher, dass sie in der Nähe gebrütet haben. Da diese Art im Herbst/Winter stets mehrfach am See überwintert, überlegen wir uns das Anbringen einer Brutwand an geeigneter Stelle.

Spechte
Im südlichen Teil des Schutzgebietes konnten wir erneut drei Reviere des Kleinspechts ausmachen. Leider konnten wir auch dieses Jahr die Bruthöhlen nicht finden. So wissen wir auch nicht, ob diese Art erfolgreich brütet.
Nachdem bereits im letzten Winter der Grünspecht jeden Tag zu hören war, erhofften wir uns eine Brut im Gebiet. Der Brutplatz lag diesmal im Auenwald hinter dem Strandbad Auslikon.
Junge konnten wir allerdings nicht beobachten.

Wasseramseln
Die Wasseramsel hat an ihren früheren Brutplatz unter der Chämptnerbach-Brücke zurück gefunden. Die Brut verlief erfolgreich, denn Anfang Mai piepsten Junge im Nest.

Grasmücken
Es ist interessant festzustellen, wie sich jede Vogelart ihren bevorzugten Raum in unserem Schutzgebiet aussucht. Alle 10 Brutplätze des Feldschwirls liegen im Südosten des Schutzgebietes.
Vom eher selteneren Rohrschwirl waren in der Berichtsperiode nur 2 Brutpaare anwesend.
Auch etwas geringer als in den Vorjahren war der Bestand der Sumpfrohrsänger. Im vorherigen Winter wurden grössere Flächen gerodet. Mit 79 Paaren war der Bestand aber immer noch beträchtlich.
Mit 95 Paaren liegt der Bestand des Teichrohrsängers in der Höhe der Vorjahre. Da die Brutplätze grösstenteils am Seeufer liegen, findet er stets gleichbleibende Bedingungen vor.
Sehr gefreut haben wir uns über den Drosselrohrsänger, der sich in der Herdplattenbucht niedergelassen hat. Allerdings wurde sein Gesang oft durch das Gekreische der Möwenkolonie übertönt.
Mit 25 Brutpaaren lag der Bestand der Gartengrasmücke etwas tiefer als in den Vorjahren.
Der Bestand des Zilpzalp ist stark eingebrochen. Wir kartierten nur noch 15 Reviere.
Dagegen konnte sich der Bestand des Fitis gut halten (38 Paare).

Fliegenschnäpper
Vom Grauschnäpper brüteten diesmal nur 3 Paare.

Drosseln
Nach mehr als 10 Jahren brütete wieder mal ein Paar Schwarzkehlchen in unserem Schutzgebiet. Sie wählten einen Brutplatz in der Nähe eines viel begangenen Erdbeerfeldes an der Ostseite des Sees. Das Paar fütterte zwei Junge. Anfang Mai war das Paar immer noch anwesend. Ob es ev. eine zweite Brut versucht hat?

Schwanzmeisen
Alle 3 Schwanzmeisen-Paare haben im südlichen Teil des Schutzgebietes gebrütet Ab Juni konnten wir grössere Familien-Verbände feststellen.
 
Würger
Ein Paar Neuntöter hat sich erneut das Gebiet Himmerich als Brutplatz ausgesucht. Während der Brutzeit waren die Vögel ausserordentlich schwierig zu entdecken. Erst als die beiden Jungen gefüttert wurden, waren die Altvögel aktiver. Bereits Ende Juli begann der Zug und es wurde zunehmend schwieriger die Brutvögel von den Zugvögeln zu unterscheiden.
 
Finken
Distelfinken brüten stets in geringerer Anzahl im Riet. Diesmal waren es nur noch 4 Paare.
Girlitze fehlten ganz.

Ammern
Der Bestand der Goldammern hat sich stark ausgeweitet und betrug dieses Jahr 21 Brutpaare.
Mit 45 Paaren lag der Bestand der Rohrammern etwas unter dem letztjährigen Höchststand, doch knüpft er an die Bestände früherer Jahre an. Ich werde versuchen auf die Pflegearbeiten Einfluss zu nehmen, denn oft sind die Altschilfstreifen ungenügend gross.

Interessante Durchzügler und Nahrungsgäste

Erstmals verbrachten 2 Kormorane den ganzen Sommer am See. Ob wir wohl nächstens, wie am benachbarten Greifensee, mit Brutpaaren rechnen müssen?
Ein einzelner Purpurreiher stand am 11. April am Schilfsaum in der Auslikerbucht. Ein Seidenreiher zeigte sich Anfang Mai im Robenhauserriet. 2 Nachtreiher flogen gegen Ende Juni aus dem Hellsee auf.
Im April/Mai zeigten sich einige Male Graugänse am See. Am 23. Juli flog eine Gruppe von 29 unbestimmten Gänsen über das Robenhauserriet und den See.
Im September erschien wieder ein Brautenten-Weibchen im Aabach in Robenhausen. Es wurde schon in früheren Jahren dort beobachtet.
Zwischen dem 18. und 20 Mai jagten drei-mal Rotfussfalken über dem Riet.
Ein besonderes Erlebnis war dieses Jahr der Einflug von Wachteln Zwischen dem 18. Mai und 26. Juni konnten wir 40-mal Wachtel-Schläge vernehmen. Alle Rufer traten in der Südost-Ecke des Schutzgebietes auf. Aufgrund von Erfahrungswerten hat Orniplan 7 Reviere festgelegt. Ob erfolgreiche Bruten stattgefunden haben, kann man bei Wachteln in der Regel nicht feststellen.
Am 29. April suchte ein Tüpfelsumpfhuhn Nahrung am Schilfsaum im Strandbad Auslikon.
Während der Zugzeit konnten einige Male Limikolen beobachtet werden, wie Rotschenkel,
Grünschenkel, Wald- und Bruchwasserläufer, Flussuferläufer, Kampfläufer und Bekassine. Ein grosser Brachvogel überflog das Gebiet rufend am 22. Juni.
Zusammen mit Flussseeschwalben jagten im Mai auch einige Male Trauerseeschwalben über dem See.
Nur noch ganz selten kann ein Wendehals beobachtet werden, dieses Jahr am 15. April im Müliriet.
Drei Bartmeisen zeigten sich am 1. August am Schilfsaum zwischen Talhof und Pfäffikon.
Im September rastete eine Klappergrasmücke am Chämptnerbach.

Administration/Datenkoordination

Walter Hunkeler, Bahnhofstrasse 231, 8623 Wetzikon Tel. 044 / 930.32.75
Email: whunk@hispeed.ch
 

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