Die alte deutsche Schreibschrift unterscheidet, wie die Fraktur, zwei verschiedene s, das "Lange-s" und das "Schluss-s", das auch in Wortzusammensetzungen verwendet wurde, z.B. in bischen (bis-chen).
1 Pfund war etwa 500 Gramm schwer und war unterteilt in 32 Lot. Genauere Angaben sind kaum möglich, da damals die Masse metrisch wurden. Sie sind bei Rezepten auch nicht nötig, da es nur um Verhältnisse geht.

Ergänzungen zum Rezept Ehstandskuchen:

Im Rezept ist die Zahl der Eier unbekannt. Vermutlich sind es 6 Eier, wovon die Dotter die Flüssigkeit des Teigs liefern. Backpulver ist überflüssig, dazu dient der Eischnee.
Die Zubereitung der geschlagenen Bisquitmasse ist unkonventionell, indem der Teig mit Eigelb gemacht wird und man erst am Schluss den Eischnee unterzieht.
Backen bei mässiger Hitze (ca. 190C) in einer Springform etwa 50 Minuten.
Das Rezept enthält etwas wenig Mandeln - also wären noch 140 gr süsse Mandeln zuzufügen, aber Warnung wegen dem Emulsin in den Bittermandeln. Nach Rezepten zu Dresdener Weihnachststollen darf man bittere und süsse Mandeln mischen. Die entstehende Blausäure wird während des Backens ausgetrieben.

Bittere Mandeln sind vermutlich die Urform der Mandel. Die Bitterstoffe dienen als Frassschutz gegen Tiere (Insekten). Die Süssmandel ist eine Defektmutante. Sie enthält kein Emulsin - das Enzym, welches die Blausäure vom Amygdalin abspaltet. Es wird erst durch zerkleinern (kauen) aktiv und kann durch Hitze deaktiviert werden. Süssmandeln sind für Menschen ungefährlich und wurden deshalb grossflächig gepflanzt. Organo-Cyanide sind ein beliebtes Kapitel der Koevolution von Pflanzen mit Insekten. Aus der nordamerikanischen Wüste sind Pflanzen bekannt, welche sehr grosse Anteile dieser Zyanide bilden. Die Pflanzen leben zusammen mit spezialisierten Käfern, welche diese Samen verschleppen und verzehren.

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