Ilex aquifolium, die Stechpalme

kommt häufig zusammen mit Fagus sylvatica, der Rotbuche vor (Pflanzen-Assoziation: Fago-Ilexetum). Ob dies nun eine Gemeinschaft sein soll oder nur ein zufälliges (häufiges) Zusammentreffen, ist ein anderes Thema.
Sie hat wintergrünes Laub und ist daher als Dekoration beliebt (besonders wenn sie auch noch leuchtend rote Beeren trägt).
Der Blattfall findet gegen Ende des Sommers statt (Juli-September); wobei es nicht immer den ganzen Blatt-Jahrgang betrifft. Junge Büsche haben im Winter Blätter von drei und mehr Jahrgängen, ältere baumartige  Exemplare nur noch etwa zwei. 
Dies stimmt überein mit den Nadeljahrgängen von Nadelbäumen - auch diese verlieren Nadeln (Blätter) erst nach Jahren. Dieses Verhalten kann beim Vermodern täuschen: ein fast intaktes Ilexblatt als Falllaub hat im Oktober einige Monate weniger Zeit gehabt zu zerfallen, als andere Blätter. Üblicherweise wird dies von saprophytischen Pilzen erledigt - Tiere, die Falllaub fressen, ernähren sich eigentlich von diesen Pilzen.
Stechpalme, Ilex aquifolium
Ilex, Flowers Oben: Beeren einer weiblichen Pflanze.
Links: Blüten

Bei Ilex ändert die Blattform mit dem Alter: Blätter der jungen Pflanzen sind stachliger und die Blätter der "Edelpalmen" beinahe ganzrandig (siehe auch Efeu).
("Edelpalme" ist der Zürcher-Oberländer Ausdruck für baumartige Exemplare.)
Es ist im unfertilen Zustand möglich, die Geschlechter zu trennen. Beim selben Alter sind die Blätter der Männchen tendenziell stacheliger. Da diese Trennung nur für eine Vorselektion reicht, müssen Handelsgärtner mit ihren Topfpflanzen etwa sechs Jahre warten, bis die ersten Beeren kommen; was sich im Preis niederschlägt.

Auch Stechpalmen können von Exoten bedrängt werden. Im Angebot der Gärtner finden sich nicht nur Züchtungen der einheimischen Art (mit mehr Beeren oder mit panachierten Blättern) sondern auch zwei exotische Arten (mit Züchtungen). Diese müssen allerdings zu zweit, gemeinsam mit einem Männchen gepflanzt werden (siehe Kiwis). Erfahrungsgemäss dauert es etwa 150 Jahre (NGSH, 2007) von der ersten Einführung eines Exoten, bis er in der Landschaft Fuss fasst und Probleme machen kann. Alte Pflanzenkataloge von Handelsgärtnereien sind sehr interessant. Sie helfen auch, wenn es darum geht, die Pflanzen in einem älteren Garten zu bestimmen, meist findet sich selbst der Kultivar (der Patent-Inhaber, Züchter).
Die Stechpalmen sind nicht mehr die einzigen Sträucher im Wald mit wintergrünen Blättern: Bei uns sind es zusätzlich der Kirschlorbeer Prunus laurocerasus, der runzelblättrige Schneeball und die Mahonie - alles Neophyten, die aus den Gärten ausgerückt sind.

Man kann vermuten, dass die Stechpalmen in unseren Wäldern auf Beerenarmut "gezüchtet" werden. Zweige mit vielen Beeren sind als Winterschmuck so beliebt, dass diese Formen gezielt verschwinden. Diese negative Auswahl dauert schon so lange, dass sich Standorte mit üppigen Beeren nur hinter vorgehaltener Hand verbreiten. Dem könnte nur mit einem totalen Schutz abgeholfen werden, was bei der Häufigkeit der Art auf grosses Unverständnis stossen dürfte.

Gift: 20 - 30 der roten Beeren reichen nach Roth, Daunderer und Kormann um einen erwachsenen Menschen umzubringen.

Schutz:
In den Kantonen Zürich und Schaffhausen ist es verboten, mehr als fünf beerentragende Zweige zu schneiden (abbrechen geht ohnehin kaum, da das Holz viel zu zähe ist, siehe Seidelbast). Bei der Bewirtschaftung der Wälder wird auf die Stechpalmen kaum Rücksicht genommen; daher steht beim Kanton Schaffhausen noch zusätzlich: "Baumartige Exemplare sind zu schonen".

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